Max Weber

TL;DR für die Wenigleser: Ich bin Mitte 30, hatte mein Coming-In mit Anfang 20 (2004/05) und ging bald darauf für 1 Jahr bei Kein Täter werden in Therapie. Ich finde Mädchen (5-12) und Frauen attraktiv und schreibe seit 2009 für SuH. Mein Hauptziel ist es Menschen mit Pädophilie sowie ihren Angehörigen die Orientierung zu bieten, die ich nach meinem Coming-In gebraucht hätte um weniger unter Unsicherheit und Ängsten zu leiden.

Okay, hier ist die ausführliche Version:

Ich bin männlich, Mitte dreißig und weiß seit 2004/05 um meine Pädophilie. Diese Selbsterkenntnis war für mich sehr belastend. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich das große Glück, gleich am ersten Durchlauf des Präventionsprojekts „Dunkelfeld“ der Berliner Charité teilnehmen zu können. So schnell nach dem Coming-In adäquate Hilfe zu erhalten war vielen Generationen von pädophilen Menschen vor mir nicht möglich gewesen. Ich bin sehr dankbar dafür, denn aus meiner Selbsthilfearbeit weiß ich gut, wie zerstörerisch es sein kann mit diesen Belastungen jahrzehntelang ohne Bewältigungsstrategien zu leben:

Als mir meine eigene Pädophilie bewusst geworden ist hatte ich plötzlich überhaupt kein Bild mehr von meiner Zukunft. Kein Bild davon, was aus mir werden würde, oder wie es sich anfühlen könnte, wenn man die Neigung „kontrolliert“, wie ich es damals ausgedrückt hätte. Ich erwartete ein Gefühl von gegen-etwas-ankämpfen-müssen und von Druck oder Kontrolle. Wenn man seine sexuellen Bedürfnisse unterdrückt, dann kann es doch nur wehtun… oder??!

Und mein Selbstbild war komplett zerschlagen: Obwohl ich mich bemühe, nach der Bibel zu leben, und viel Hoffnung aus ihren Lehren ziehe, stellten sich mir plötzlich Fragen wie: Wer bin ich? Wer will ich sein? Und: Spielt es überhaupt noch eine Rolle, was ich will? Eines war sicher, nämlich, dass ich auf keinen Fall zum Kindesmissbraucher werden wollte – aber was für Schritte würden dafür nötig sein? Wäre das schwierig und schmerzhaft? Oder überhaupt erreichbar? Ließ ich mich da auf einen endlosen oder gar hoffnungslosen Kampf ein?

Ich fühle mich hauptsächlich von Mädchen vor und zu Beginn der Pubertät angezogen, finde jedoch auch Teenager und erwachsene Frauen attraktiv. Männer und Jungs dagegen überhaupt nicht. Unter Frauen verständlicherweise eher die, die jünger sind und wirken, und eher selten gleichaltrige oder ältere Frauen. Ich bin sehr froh sagen zu können, dass ich mich nie an einem Mädchen vergangen habe. Das hätte insbesondere in der langen Phase während meiner Pubertät leicht passieren können, in der ich die Neigung noch geleugnet hatte.

Nach der Therapie brauchte ich noch circa 2 weitere Jahre um alles zu verarbeiten und wieder ein stabiles Selbstbild aufzubauen. Anfang 2009 war dann ein Punkt erreicht an dem ich plötzlich feststellte, dass die großen Ängste und Unsicherheiten sich fast vollständig verflüchtigt hatten und ich wieder mit beiden Beinen auf festem Boden stand. Zu diesem Zeitpunkt ein ziemlich ungewohntes und überwältigendes Gefühl. Und damit kam auch das Bedürfnis mehr über meinesgleichen zu erfahren und über das Erlebte zu schreiben. Ich fand SuH und begann die Bemühungen von Marco durch eigene Texte zu unterstützen. Mein zentrales Thema war zu Beginn meist die Frage „Wie funktioniert Impulskontrolle eigentlich?“ und „Wie fühlt sie sich an?“. Vor allem weil mich verblüffte und begeisterte, dass es sich eben nicht nach Druck und Zwang anfühlte, zunächst noch recht starken sexuellen Impulsen zu widerstehen, sondern geradezu befreiend. Warum das so war verstand ich erst später, als ich begriff, dass diese Impulse bei mir selbst nur ein Symptom waren. Hinzu kommt mein Bemühen darum, insbesondere denen zur Seite zu stehen, die gerade erst am Anfang stehen, mit vielen Unsicherheiten und Sorgen. Das Ziel eines verantwortungsvollen Umgangs ohne zu missbrauchen natürlich vorausgesetzt.

Vor und in der Therapie habe ich schmerzlich eine Stelle vermisst, wo man sich Feedback oder Rat holen konnte. Jemand zum Reden. Jemand, der das alles schon durch hatte, was damals dunkel, vage und beängstigend noch vor mir lag. Jemand der mir ein Bild davon vermitteln konnte, was auf mich zukommen würde, was hinter der Dunkelheit für mich liegen könnte. Das ist bis Heute meine Hauptmotivation mich an SuH zu beteiligen: für andere junge Pädos dieser Jemand zu sein.

Was man noch über mich wissen sollte: Ich gebe nicht viel auf bestimmte Worte. Ob man die Pädophilie als Störung, Neigung, Orientierung, Präferenzbesonderheit einordnet ist mir relativ gleich, solange diese Einordnung nicht benutzt wird um zu diskriminieren. Meine eigene Sicht hat sich auch mit der Zeit gewandelt sodass ich selbst heute keinesfalls mehr von einer „Krankheit“ sprechen würde. Selbst die offiziellen Klassifikationssysteme haben das mittlerweile nachgebessert. Auch spreche ich kaum noch von „Kontrolle“, da es in Zusammenhang mit dem Stigma den Gedanken von äußerer strenger gesellschaftlicher Überwachung vermittelt, wohingegen ich damit etwas ganz anderes meine (eine selbstverständliche unverkrampfte natürliche Kontrolle wie die, die nötig ist, um sich nicht in die Hose zu pinkeln). Ich sehe Pädophilie als eine sexuelle Orientierung, deren sexuelle Komponente nicht mit der Hauptpräferenz (Kindern) ausgelebt werden kann. Alles krankhafte daran ist meiner Beobachtung zufolge anderen Aspekten zuzuordnen: begleitende psychische Probleme resultieren oft eher aus dem Stigma als aus der Pädophilie an sich und Missbrauchstaten eher aus Störungen der Empathiefähigkeit oder Impulskontrolle – oder schlichter Boshaftigkeit eines Täters.

Ab April 2013 schrieb ich an einem Buch, das ich Anfang Juni 2015 unter dem Titel „Für ein Kinderlachen“ veröffentlichen konnte. Unter meinem Pseudonym „Max Weber“ habe ich darin über meine pädophile Neigung geschrieben und alles aus meinem Leben zusammengefasst, was mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheint. Im Dezember 2018 erschien die zweite leicht überarbeitete Auflage. Eine Buchvorstellung zusammen mit Links zum Kauf des Buches und Downloadmaterialien ist hier zu finden. Sobald ich Zeit dafür schaffen kann plane ich einen zweiten Band zu schreiben, der den ersten um einige neuere Entwicklungen ergänzen soll sowie um Gedanken, die mir im ersten Band mittlerweile fehlen.