2005 startete unter dem Namen „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ das Modellvorhaben der verursacherbezogenen Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs an der Charité in Berlin. Unter der Leitung von Prof.Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier, der sich intensiv dafür einsetzte, dieses therapeutische Angebot zu etablieren, entwickelte sich das Präventionsprojekt Dunkelfeld zu dem deutschlandweit verfügbaren Projekt „Kein Täter werden“, welches es heute ist. Einige Zeit später richtete sich das Projekt nicht mehr ausschließlich an Personen, die befürchten, eine Tat in ihrem direkten Umfeld zu begehen, sondern auch auf eben die, welche Missbrauchsabbildungen konsumieren oder an der Schwelle sind, dies zu tun.

Gegen viel Widerstand aus der Bevölkerung und in der Gesellschaft gelang es, dieses Vorhaben immer weiterzuverfolgen, und bis heute entwickelte es sich stets weiter. Unter dem Projekt „Du träumst von ihnen“ wurde erstmals ein Hilfsangebot etabliert, welches sich an Jugendliche richtet. Dieses Projekt haben wir als Verein besonders begrüßt, weil wir aus unserer Arbeit in der Selbsthilfe wissen, dass Pädophile meistens in der Pubertät bemerken, dass sie sich emotional und/oder sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Immer wieder drohte dem Projekt das Aus. Zeitweilig übernahm der Berliner Senat die Finanzierung. Zusammen mit der Volkswagenstiftung und der deutschen Kinderschutzstiftung Hänsel und Gretel gelang es, weiterzumachen. Heute wird das Projekt durch den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und das Bundesjustizministerium gefördert. Die letzte bewilligte Finanzierung läuft zum Ende des Jahres 2025 aus.

Wie geht es dann weiter?

Die Situation pädophiler Menschen spitzt sich weltweit zu. Deutschland war und ist auf dem Gebiet der Sexualwissenschaft immer ein Vorreiter gewesen. In den Vereinigten Staaten unterliegen, je nach Bundesstaat, Therapeut:innen einer Meldepflicht. Zwar in der Regel nur dann, wenn Anzeichen dafür vorliegen, sexualisierte Gewalt zu verüben. Allerdings kann diese Entscheidung von der Stigmatisierung getrübt sein. Jemand, der sich Hilfe holt, vielleicht das Bedürfnis hat, zum ersten Mal über seine Probleme sprechen zu wollen, wird dafür im Falle einer Meldung nicht belohnt, sondern bestraft. Das ist eines der großen Probleme, das Pädophilen aus anderen Ländern den Zugang zu Hilfe deutlich erschwert. Die ärztliche Schweigepflicht schafft ein Vertrauensverhältnis, auf dessen Basis eine Therapie erst ermöglicht wird.

Seit vielen Jahren engagieren wir uns ehrenamtlich als Verein in der Selbsthilfe und stellen Informationen zu dieser Thematik bereit. Viele Nutzer:innen unseres Forums fanden durch „Kein Täter werden“ den Weg zu uns. Umgekehrt halfen Diskussionen und der Austausch über das Präventionsprojekt oft auch neuen Nutzer:innen, Ängste abzubauen und sich zu trauen, ein Erstgespräch zu vereinbaren. Ein Erstgespräch, welches oftmals den Weg zu einer Therapie geebnet hat. Wenn das Präventionsprojekt Kein Täter werden mit seinen 13 Standorten in Deutschland schließen muss und die Finanzierung den jeweiligen Ländern obliegt, dann ist das ein gewaltiger Rückschritt. Auch in Zeiten hoher Bundes- und Landesausgaben sollte unserer Meinung nach nicht am falschen Ende gespart werden. Und schon gar nicht an diesem.

Pädophilen Menschen einen Ort der Hilfe und Akzeptanz zu bieten, Angehörige zu unterstützen und uns mit anderen gleichgesinnten Selbsthilfeprojekten international auszutauschen, ist ein Teil unserer Arbeit bei Schicksal und Herausforderung e.V. Was uns jedoch ebenfalls immer sehr bereichert hat, war die Möglichkeit, das Präventionsprojekt, anzusprechen. Ob es Studien waren, die wir verlinkten oder Kontakte zu Interessierten unterschiedlichster Art. Für uns war KTW stets ein freundlicher, kompetenter und bemühter Ansprechpartner. Wir hoffen sehr, dass dies auch in Zukunft gesichert ist.